Warum fällt es Hunden schwer, allein zu Hause zu bleiben?
Hunde sind soziale Tiere. Sie stammen von Wölfen ab, die im Rudel leben. Deshalb ist es für sie ganz natürlich, Nähe zu suchen und sich unwohl zu fühlen, wenn sie allein sind.
Dass ein Hund alleine zu Hause bleiben kann, ist also nichts, was von selbst kommt – Sie müssen es Ihrem Hund aktiv durch schrittweises Training beibringen.
Unruhe oder Trennungsangst?
Es gibt einen großen Unterschied zwischen normaler Unruhe und echter Trennungsangst.
Normale Unruhe zeigt sich zum Beispiel durch leichte Rastlosigkeit oder kurzes Fiepen, wenn der Hund allein gelassen wird.
Trennungsangst hingegen ist eine tief sitzende Angst, die dazu führen kann, dass der Hund stundenlang heult, Dinge zerstört oder trotz normaler Stubenreinheit „Unfälle“ in der Wohnung hat.
Typische Anzeichen für Trennungsangst sind:
dauerhaftes Bellen oder Heulen
Kratzen an Türen und Fenstern
Urin oder Kot in der Wohnung, obwohl der Hund stubenrein ist
destruktives Verhalten, z. B. Kauen an Möbeln und Gegenständen
Schimpfen bei der Rückkehr hilft Ihrem Hund nicht, sondern erhöht oft Stress und Unsicherheit.
Wie lange kann ein Hund allein zu Hause bleiben?
Die Antwort hängt vor allem vom Alter und Gesundheitszustand Ihres Hundes ab – und davon, wie weit Sie mit dem Alleinbleiben-Training bereits sind. Ein kleiner Welpe hat zum Beispiel andere Bedürfnisse als ein erwachsener Hund.
Alter
Empfohlene maximale Alleinbleibzeit
8–10 Wochen
Wenige Minuten (nur als Übung)
3–4 Monate
30–60 Minuten
4–6 Monate
1–2 Stunden
6–12 Monate
2–4 Stunden
Erwachsener Hund
4–6 Stunden (max. 8 Stunden)
Ein Hund, der an jedem Arbeitstag 8 Stunden allein zu Hause ist, bewegt sich an der Grenze des Vertretbaren – und erfordert, dass Sie den Rest des Tages bewusst für Aufmerksamkeit, Spaziergänge und Beschäftigung einplanen.
Viele Hundehalter entscheiden sich daher für einen Hundesitter/Hundegassi-Service oder eine Hundetagesbetreuung, um den Tag zu unterbrechen.
So starten Sie mit dem Alleinbleiben-Training
Die Grundprinzipien des Alleinbleiben-Trainings sind dieselben – egal, ob Sie einen Welpen oder einen erwachsenen Hund trainieren.
Der Unterschied liegt im Tempo, das Sie an die Bedürfnisse Ihres Hundes anpassen müssen.
Welpen lernen oft schneller, während ein erwachsener Hund mit möglicherweise schlechten Erfahrungen mehr Zeit brauchen kann.
Sowohl bei einem erwachsenen Hund als auch bei einem Welpen gilt: Haben Sie Geduld, geben Sie Ihrem Hund die Zeit, die er braucht, und vertrauen Sie dem Prozess.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Alleinbleiben-Training:
Sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund vorher draußen war und sich gelöst hat – das Training sollte beginnen, wenn Ihr Hund ruhig ist.
Beginnen Sie damit, in einem anderen Raum zu sein – am besten hinter einer geschlossenen Tür.
Steigern Sie die Zeit schrittweise – von 30 Sekunden auf 1 Minute, 2 Minuten, 5 Minuten usw.
Verlassen Sie das Haus erst dann komplett, wenn Ihr Hund mehrere Minuten ruhig bleiben kann.
Kommen Sie zurück, bevor Ihr Hund unsicher wird und in Panik gerät.
Üben Sie mehrmals täglich – kurze, erfolgreiche Einheiten sind besser als ein langer, misslungener Versuch.
Vermeiden Sie Drama beim Weggehen und Heimkommen, damit beides für Ihren Hund neutral bleibt.
So trainieren Sie die Trennung, während Sie noch zu Hause sind
Bevor Sie überhaupt damit beginnen, zur Tür hinauszugehen, muss Ihr Hund lernen, dass es völlig normal ist, nicht ständig an Ihrer Seite zu sein.
Viele Hunde folgen ihrem Halter von Raum zu Raum – dieses Muster sollte zuerst durchbrochen werden.
Konkrete Übungen:
Legen Sie Ihren Hund in seinen Hundekorb und gehen Sie in der Wohnung umher, ohne Kontakt zu Ihrem Hund aufzunehmen.
Nutzen Sie ein Hundegitter, um einen sicheren Bereich zu schaffen, in dem Ihr Hund Sie sehen kann, Ihnen aber nicht folgen kann.
Schließen Sie die Tür für kurze Zeit – beginnen Sie mit nur wenigen Sekunden.
Ignorieren Sie anfangs leichtes Fiepen oder Bellen und gehen Sie erst wieder hinein, wenn Ruhe eingekehrt ist.
Belohnen Sie ruhiges Verhalten mit Lob oder mit Hundeleckerchen.
Steigern Sie die Zeit sehr langsam. Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn es nicht klappt, gehen Sie wieder auf die Zeit zurück, die funktioniert hat, und machen Sie von dort aus weiter.
Machen Sie Weggeh- und Heimkommroutinen langweilig
Viele Hunde reagieren stark auf Signale, die das Weggehen oder die Rückkehr ankündigen – zum Beispiel wenn Sie Schuhe anziehen, mit den Schlüsseln klimpern oder eine dramatische Abschiedsszene machen.
Diese Geräusche und Handlungen werden damit verknüpft, dass Sie das Haus verlassen – und das kann Stress auslösen, noch bevor Sie überhaupt zur Tür hinausgehen.
So machen Sie die Signale langweilig:
Ziehen Sie mehrmals täglich Schuhe und Jacke an, ohne irgendwohin zu gehen.
Klimpern Sie mit den Schlüsseln und setzen Sie sich wieder hin – wiederholen Sie das mehrfach.
Gehen Sie zur Tür, berühren Sie die Klinke und gehen Sie wieder weg.
Gehen Sie für 5 Sekunden hinaus und kommen Sie wieder herein – bleiben Sie dabei ganz neutral.
Beim Weggehen:
Keine übertriebene Verabschiedung oder große Abschiedsszenen
Verwenden Sie ggf. einen festen Satz wie „Ich komme wieder“ in ruhigem Tonfall
Gehen Sie ruhig hinaus, ohne zurückzuschauen
Bei der Rückkehr nach Hause:
Keine laute Wiedersehensfreude, sobald Sie zur Tür hereinkommen
Warten Sie einen Moment, ziehen Sie Ihre Jacke aus und begrüßen Sie Ihren Hund dann ruhig
Lassen Sie Ihren Hund erst vollständig zur Ruhe kommen, bevor Sie spielen oder spazieren gehen
Beschäftigen Sie Ihren Hund: Intelligenzspielzeug für Hunde
Die Beschäftigung Ihres Hundes, wenn er allein zu Hause ist, ist entscheidend, um destruktives Verhalten wie Bellen, Heulen und zerstörte Möbel zu vermeiden.
Wenn Ihr Hund etwas Sinnvolles zu tun hat, sinkt das Stressniveau – und die Zeit allein lässt sich deutlich besser bewältigen.
Intelligenzspielzeug kann das Training jedoch nicht ersetzen. Es sollte als Ergänzung gesehen werden, die Ihrem Hund das Alleinbleiben erleichtern kann.
Wählen Sie Spielzeug, das auch ohne Aufsicht sicher ist.
Vermeiden Sie Hundespielzeug mit kleinen Teilen, die verschluckt werden können.
Testen Sie das Spielzeug die ersten Male immer, während Sie zu Hause sind.
Das Spielzeug sollte mit Ruhe und Entspannung verknüpft werden und sollte deshalb nicht nur dann gegeben werden, wenn Sie zur Tür hinausgehen. Nutzen Sie es daher auch, wenn Sie zu Hause sind.
Vermeiden Sie diese typischen Fehler beim Alleinbleiben-Training Ihres Hundes
FEHLER 1: Zu schnelle Steigerung: Sie lassen Ihren Hund zu lange allein, bevor er bereit ist. Ihr Hund reagiert mit Stress und Panik – und Sie verlieren alles, was Sie bereits aufgebaut haben.
Lösung: Gehen Sie zu kürzeren Zeitspannen zurück, in denen Ihr Hund ruhig bleiben kann.
FEHLER 2: Zum Hund gehen, wenn er heult: Wenn der Welpe fiept oder der Hund heult und Sie sofort zurückkommen, lernt er: „Ich muss nur heulen, dann kommst du.“
Lösung: Warten Sie mindestens ein paar Sekunden Ruhe ab, bevor Sie wieder hineingehen.
FEHLER 3: Ein großes Drama beim Weggehen und Heimkommen: Übertriebene Abschiedsszenen signalisieren Ihrem Hund, dass etwas Großes und Beängstigendes passiert.
Lösung: Halten Sie Abschied und Rückkehr neutral, damit Ihr Hund feste Routinen ohne große Emotionen bekommt.
FEHLER 4: Zu wenig Bewegung vor dem Alleinbleiben: Ein Hund mit viel Energie, der nicht draußen war, findet schwerer zur Ruhe, wenn er allein zu Hause ist.
Lösung: Planen Sie feste Spaziergänge und Beschäftigung ein, bevor Sie gehen.
FEHLER 5: Die Box als Hauptlösung nutzen: Eine Box kann den Stress deutlich erhöhen, wenn Ihr Hund nicht richtig daran gewöhnt wurde.
Lösung: Eine Box sollte nur kurzfristig genutzt werden und muss schrittweise aufgebaut werden, damit sie zu einer sicheren Höhle wird – und nicht zu einem Gefängnis.
FEHLER 6: Licht aus und absolute Stille: Manche Hunde werden in dunkler, stiller Umgebung unruhiger.
Lösung: Lassen Sie ggf. ein kleines Licht an und überlegen Sie, leise Musik oder Radio im Hintergrund laufen zu lassen.
Häufig gestellte Fragen
Wie bringt man einem Hund bei, allein zu Hause zu bleiben?
Das Alleinbleiben-Training basiert auf einer schrittweisen Gewöhnung. Beginnen Sie damit, Ihren Hund daran zu gewöhnen, in einem anderen Raum zu bleiben, während Sie noch zu Hause sind. Erhöhen Sie Abstand und Dauer langsam. Nutzen Sie Intelligenzspielzeug, um die Zeit allein positiv zu verknüpfen. Gestalten Sie Weggehen und Heimkommen ruhig und vorhersehbar. Gehen Sie dabei niemals schneller vor, als Ihr Hund es bewältigen kann.
Wie lange darf ein Hund allein zu Hause bleiben?
Erwachsene Hunde, die gut trainiert sind, können in der Regel 4–6 Stunden allein bleiben. Manche Hunde schaffen bis zu 8 Stunden, aber das sollte nicht jeden Tag die Regel sein. Welpen können nur kürzere Zeit allein bleiben. Ein Welpe im Alter von 3–4 Monaten sollte zum Beispiel maximal 1–2 Stunden allein sein.
Mein Hund bellt, wenn er allein zu Hause ist – was kann ich tun?
Reduzieren Sie die Alleinbleibzeit auf ein Niveau, bei dem Ihr Hund ruhig bleibt. Sorgen Sie vor dem Weggehen für mehr Beschäftigung – ein müder Hund bellt weniger. Machen Sie Ihre Weggeh-Signale langweilig, indem Sie sie üben, ohne tatsächlich zu gehen. Wenn das Problem weiterhin besteht, sollten Sie professionelle Hilfe in Betracht ziehen.
Kann ein Hund 10 Stunden allein zu Hause bleiben?
Eine Hundebox für das Alleinbleiben ist nur in besonderen, kurzfristigen Fällen vertretbar – und immer erst nach einer gründlichen Gewöhnung. Die Box muss für Ihren Hund eine sichere Höhle sein und darf niemals ein Ort sein, in den er hineingezwungen wird.
Darf mein Hund allein zu Hause in einer Box bleiben?
Eine Hundebox für das Alleinbleiben ist nur in besonderen, kurzfristigen Fällen vertretbar – und immer erst nach einer gründlichen Gewöhnung. Die Box muss für Ihren Hund eine sichere Höhle sein und darf niemals ein Ort sein, in den er hineingezwungen wird.
Wie trainiert man seinen Hund, nach dem Urlaub oder nach Homeoffice wieder allein zu Hause zu bleiben?
Wenn sich der Alltag verändert, sollten Sie einige Wochen vor Beginn der neuen Routine wieder mit kurzen Alleinbleibe-Phasen starten. Geben Sie Ihrem Hund die Möglichkeit, sich Schritt für Schritt daran zu gewöhnen, wieder allein zu sein. Beginnen Sie mit 10–15 Minuten und steigern Sie die Dauer langsam.
Vermeiden Sie es, von kompletter Anwesenheit direkt auf einen vollen Arbeitstag umzuschalten – das ist oft der Auslöser für Rückschritte. Nutzen Sie dieselben Prinzipien wie bei jedem Alleinbleiben-Training: kleine Schritte, viele Wiederholungen und kein Drama.